Angelika Maria Kotzur

Wohl das größte Geschenk geben die Pflanzen demjenigen, der versteht, dass er alles Leiden selbst verursacht. Mit der demütigen Bitte um Heilung stellen die Pflanzen alles zu Verfügung, was wir brauchen, um unsere Haltung, unsere Struktur zu ändern. Das ist kein leichter Prozess. Man muss den jeweiligen Krankheitszustand, den die Medizin aufzeigt, akzeptieren, egal welche Erscheinung er trägt.

Für mich war es eine große Herausforderung, gerade eben den Wald und seine Heilkraft gefunden zu haben und gleichzeitig direkte Augenzeugin seiner Bedrohung durch den Menschen zu werden.

Nachdem wir Moteloy gebaut hatten und das spirituelle Leben sich zu entfalten begann, hörten wir von Abholzungen im großen Stil. Tag und Nacht hörte man die Maschinen arbeiten, der Wald schrie förmlich auf.

Francisco und ich dachten daran zu “gehen” – einen Ort des Friedens an einem heilen Ort zu schaffen. Francisco meinte, dass wäre feige, und so begann ein langer zermürbender Kampf gegen die Zerstörung des Waldes. Wir gründeten einen Verein, um die Lebenswelt der Menschen aus Tamshiyacu zu verbessern. Und wir bezahlten viel Lehrgeld.

Trotzdem hat uns der Wald reich beschenkt. Großzügig hat er mit uns sein Wissen und seine Heilkraft geteilt. Es ist uns ein tiefes Anliegen, anderen Menschen das Geschenk des Waldes zugänglich zu machen.

Nach all diesen Jahren des Lernens im und vom Wald bin ich nach Deutschland zurückgekehrt. Ich möchte Menschen helfen, ihren Regenwald im “Alltag” zu integrieren und vor allem mit ihrer erhöhten Wahrnehmungsfähigkeit in ihre Kraft zu begleiten, damit sie segensreich wirken können.